• Hemma Bieser

Hacking4SDGs Kamingespräch mit Alexander Osterwalder und Steve Blank

Wenn man in einem 30 Minuten Interview mehr lernt als in 10 Jahren Praxis


Es gibt Momente im Leben die sich so anfühlen, als wäre gerade Ostern und Weihnachten gleichzeitig. So war es auch, als Asetila Köstinger, die Organisatorin von #Hacking4SDGs, mir die freudige Botschaft übermittelt hat, dass sie Steve Blank und Alexander Osterwalder für ein Online-Kamingespräch gewinnen konnte. Und ich sollte es moderieren.


Für alle, die meine Interviewpartner nicht kennen, hier eine kurze Vorstellung.


Alexander Osterwalder hat vor 10 Jahren den Management Bestseller Business Model Generation auf den Markt gebracht und in diesem Buch die Business Model Canvas vorgestellt. Die Canvas ist das zentrale Tool zur Geschäftsmodell- und Strategieentwicklung für alle Innovatoren. Das Buch hat das Leben vieler Menschen verändert und die Arbeit für Startups und Entrepreneure so sehr erleichtert.


Steve Blank ist Serial Entrepreneur aus dem Silicon Valley. Er hat den Satz geprägt „Get out of the building“ und meint damit, die GründerInnen müssen zu ihren Kund*innen gehen, mit ihnen reden und deren Probleme, Wünsche und Bedürfnisse verstehen. Der ganze Prozess nennt sich Customer Development und ist wunderbar in seinem Handbuch für Startups beschrieben (The Startup Owner‘s Manual).

In diesem Artikel möchte ich gerne meine Erkenntnisse aus dem Kamingespräch beim #Hacking4SDGs, powered by #WeDo5, mit euch teilen.


Offene und ehrliche Einblicke in die Welt der Startups und Investoren


Pünktlich um 18.30 Uhr starteten wir das Interview mit Alex, fünf Minuten später kam Steve als Überraschungsgast dazu. Man muss wissen, die beiden sind Partner und mittlerweile auch echte Freunde geworden. Sie verstehen sich, teilen das gleiche Mindset, und sie sind beide Legenden in der Geschichte des Startup-Universums.


Hacking4SDGs ist ein Hackathon der sich darauf fokussiert, Ideen und Lösungen zu entwickeln, die zu den UN Nachhaltigkeitszielen beitragen. Also war meine erste Frage an Alex auch, was Nachhaltigkeit für ihn bedeutet. Seine Antwort war sehr ehrlich und persönlich. Als Vater zweier Kinder macht er sich natürlich Gedanken darüber, wie wir die Erde an zukünftige Generationen übergeben und findet ein verantwortungsvolles Handeln sehr wichtig. Dabei geht es nicht nur um die Startups, die sich engagieren, sondern auch um die großen Konzerne, die hier Verantwortung übernehmen.


Bei den Startups selber können wir zwei Typen hinsichtlich ihrer Zielsetzung unterscheiden. Die einen haben das Ziel, rasch einen hohen monetären Wert zu erzielen und am liebsten Unicorns zu werden. Sie sind also getrieben von Profit und Finanzkennzahlen. Die anderen wollen einen Impact erzielen, sie möchten zur nachhaltigen Entwicklung beitragen und die großen Herausforderungen der Menschheit lösen. Der rasche Profit steht bei diesen sogenannten Zebras nicht im Vordergrund.


Auf die Frage an Steve, ob er in Zebras investieren würde, kam eine klare Antwort: nein! Er ist Investor und würde am liebsten nur in Unicorns investieren. Impact Startups sollten sich einen Impact Investor suchen. Für GründerInnen ist es daher wichtig, die Logik der Business Angels und Investoren zu verstehen. Das spart viel Zeit und Tränen. Bei Finanzierungen und Partnerschaften mit Business Angels geht es nur zu einem Teil um Geld. Vielmehr geht es darum, dass die Startups von der Erfahrung und vom Netzwerk der Business Angels profitieren können. Daher sollten solche Partner gut ausgewählt werden. Für Impact Startups gibt es andere Finanzierungsmöglichkeiten, das können auch Banken oder spezielle Fonds sein. Eine besondere Zusammenarbeit kann mit Konzernen entwickelt werden, denn die haben viel Erfahrung, die in der Skalierungsphase sehr wertvoll sind.


„Impact Startups sollten sich Impact Investoren suchen. Sie profitieren von deren Netzwerk und Erfahrung am besten.“ Steve Blank

Auf die Frage, wie Alex Unicorns und Zebras einschätzt, kam auch eine sehr interessante Antwort. Das Ziel eines Startups ist es, zu wachsen und finanziell erfolgreich zu sein. Es schließt sich ja nicht aus, dass Zebras einen Impact machen und gleichzeitig profitabel sind. Es ist immer eine Frage des Geschäftsmodells. Es gibt gute Beispiele aus der Vergangenheit, von denen wir viel lernen können. Jigar Shah mit SunEdison ist so eines. Shah ist bekannt für seine Arbeit, marktorientierte Lösungen für den Klimawandel zu entwickeln und dafür einzutreten.


„Auch Impact Startups müssen an ihrem Geschäftsmodell arbeiten und Wege finden, um profitabel zu sein.“ Alex Osterwalder

Alex ist überhaupt der Meinung, dass man sich Erfolgsgeschichten genau anschauen und herausfinden sollte, was man davon lernen kann. Es können auch die Geschäftsmodelle und Strategien der etablierten Konzerne sein, denn sie haben ja schon einmal herausgefunden, was am Markt funktioniert.

Einen kurzen Eindruck von unserem Online-Kamingespräch haben wir im folgenden Video zusammen gefasst.

Conclusion

Mir hat dieses Gespräch wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, auf den Erfahrungen von „alten Hasen“ aufzubauen. Sie können uns in kurze Zeit soviel mitgeben und uns dabei helfen, erfolgreiche Startup-Unternehmer*innen zu werden.


Für etablierte Unternehmen, die auf Innovation setzen und mit Startups kooperieren, haben die beiden Vordenker auch gute Ratschläge parat.

Wir sollten uns anschauen, welche Startups in den letzten 10 bis 20 Jahren erfolgreich waren und nicht immer nur neuen Ideen hinterherlaufen. Was hat zum Erfolg beigetragen? Welche Fehler haben sie gemacht und was haben sie daraus gelernt?
Konzerne haben ja funktionierende Geschäftsmodelle, sonst wären sie nicht so groß geworden. Startups können sich speziell in der Wachstumsphase viel von erfolgreichen Unternehmen abschauen.
Persönliches Learning von Osterwalder: selbst er hätte schon früher und mehr mit seinen Kund*Innen reden sollen.

Auch den ZuschauerInnen hat das Kamingespräch gefallen. Hier ein Auszug aus dem Feedback:


Such a valuable input!

Thanks!

Heart work and soul travel: thank you!!

Thanks so much!

Empowering

Inspiring!

Mind-blowing

Awesome!

Fruitful :)

Inspiring - grateful


Für mich persönlich war es ein schönes Erlebnis, diesen Dialog mit den beiden Vordenkern zu führen.

Danke @Alex! Danke @Steve.

Und nochmals danke an Asetila und Astrid von #WeDo5 für die wunderbare Gelegenheit!


Wenn Ihnen dieser Beitrag gefällt, abonnieren Sie doch unseren Newsletter.


19 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen