• Hemma Bieser

Digitalisierung braucht neue Denkmuster

Aktualisiert: Mai 3

Die Lebenszyklen von Produkten und Geschäftsmodellen werden – auch durch die Digitalisierung immer kürzer. Für Unternehmen bedeutet diese Dynamik, dass die Cash Cows von heute morgen möglicherweise schon Verluste einfahren. Unvorhergesehene Ereignisse, neue Mitbewerber am Markt oder weltweite Krisen wie die aktuelle von COVID-19 ausgelöste können für Unternehmen existenzbedrohend sein. Um resilient durch Krisen zu navigieren und die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, braucht es neue Denkmuster.


Wie oft haben Sie sich in den letzten Jahren neu erfunden?

Innovation wird in allen Unternehmen großgeschrieben, und heutzutage werden die meisten von sich behaupten, kreativ, innovativ und agil zu sein. In der Praxis fokussiert sich ein Großteil der Innovationen auf Produkte und Prozesse. Das Ergebnis sind oft die gleichen Produkte in anderen Farben oder effizientere Prozesse, die im besten Fall zu Kosteneinsparungen führen. Das sind inkrementelle Innovationen, die natürlich auch ihre Berechtigung haben.

Disruptive Innovationen sind solche, die ganze Branchen verändern. Sie kommen fast immer von Playern aus anderen Industrien oder Start-ups, die bisher in dieser Branche keine große Rolle gespielt haben. Für sie ist es ein neues Gebiet, das es gilt zu erobern. Dass etablierte Unternehmen sich den Markt bereits aufteilen, hindert sie nicht. Beispiele dafür sind die Musik-Streamingdienste Napster, iTunes und Spotify, die mit neuen Geschäftsmodellen die gesamte Musikbranche auf den Kopf gestellt haben, während Sony oder Warner Music sich auf die Produkt-Performance konzentrierten.


Etablierte Unternehmen befinden sich im Innovator’s Dilemma. Der ehemalige Harvard Professor Clayton Christensen erklärt in seinem gleichnamigen Buch, dass disruptive Innovationen das Kerngeschäft des eigenen Unternehmens gefährden. Somit ist kaum ein Unternehmen dazu bereit, für eine Wette auf die Zukunft rentable Produkte aufs Spiel zu setzen. Sich neu zu erfinden, wenn es nicht wirklich einen Druck von außen gibt, wird durch viele interne Widerstände fast unmöglich.

Das Denken in Lebenszyklen und Geschäftsmodellen eröffnet neue Sichtweisen

Eine neue Sichtweise auf Geschäftsmodell-Lebenszyklen liefert Jurgen Appelo in seinem neuen Bestseller Startup, Scaleup, Screwup. Er vergleicht den Lebenszyklus eines Geschäftsmodells mit dem Lebenszyklus eines Menschen und teilt ihn in 10 Phasen ein. Neue Geschäftsideen sind zu Beginn wie kleine Kinder oder Pflänzchen, die viel Pflege brauchen, enorm schnell lernen, sich verändern und weiterentwickeln. Gegen Ende müssen wir auch bei Geschäftsmodellen damit rechnen, dass wir sie schließen müssen, weil sie nicht mehr profitabel sind.

Die erste Hälfte des Lebenszyklus bezeichnen wir auch als die Exploration Phase. Es geht ums Erforschen, Entdecken und ums Ausloten von neuen Business Opportunities. Die zweite Hälfte des Lebenszyklus ist die Exploitation Phase. Hier geht es ums Wachstum und um den finanziellen Profit. Das ist die Zeit, in der Unternehmen die Früchte Ihrer Innovationsaktivitäten ernten. Erfahren Sie mehr über das Lebenszyklusmodell in unserem Blogbeitrag Business Lifecycle Thinking.

Jedes Unternehmen sollte immer mehr als nur ein Geschäftsmodell gleichzeitig betreiben. Wohl wissend, dass das profitabelste Produkt oder Service früher oder später still gelegt werden wird, soll durch kontinuierliche Innovation dafür gesorgt werden, dass neue Geschäftsideen generiert, getestet und als neue Produkte und Services auf den Markt gebracht werden. Die große Herausforderung für jedes Unternehmen besteht darin, den richtigen Mix an Geschäftsmodellen in einem Portfolio zu managen.

Der Aufbau eine Geschäftsmodell-Portfolios setzt voraus, dass das Denken in Geschäftsmodellen im Unternehmen bereits etabliert ist. Es ist ein ganzheitliches Denken, bei dem die Zusammenhänge analysiert und verstanden werden und die Mitarbeiter*innen zu Mitgestalter*innen des Unternehmens werden. Mehr über Geschäftsmodell-Innovation und das richtige Handwerkszeug für Entrepreneure lesen Sie in meinem Blogbeitrag Business Model Canvas – das Tool, das alles veränderte.


Conclusio


Die weltweit innovativsten Unternehmen wie Amazon, Google oder Apple haben in den letzten Jahren alle ein ganzes Portfolio an Geschäftsmodellen in unterschiedlichen Phasen des Business Lifecycle aufgebaut. Innovation ist bei ihnen ein kontinuierlicher Prozess, an dem sich alle Mitarbeiter*innen des Unternehmens beteiligen können. Auch österreichische Unternehmen haben damit begonnen, Start-up Challenges und Innovationswettbewerbe durchzuführen. Es wurde einiges ausprobiert und viel dabei gelernt. Trotzdem sind wir noch am Anfang.

Führungskräfte und Entscheidungsträger*innen stehen heute vor der Aufgabe, in ihren Unternehmen die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Innovation gelingt. Um aus den ersten Ideen, die wie kleine Pflänzchen sind, große Bäume wachsen zu lassen, braucht es eine offene Kultur des Lernens, neue Sichtweisen und die richtigen Innovationsmethoden.

In unseren Workshops für Business Agility und Innovation Leadership zeigen wir Ihnen Möglichkeiten, wie sie in jeder Phase des Business Lifecycles die richtigen Entscheidungen treffen.


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